Philosophien des Tai Chi

Daoismus

In den Philosophien alter daoistischen Tradition bezeichnet das Tàijí vor allem die Einheit der komplementären Polaritäten (sich ergänzenden Gegensätze). 
Yīn und Yáng:
Yīn (chin. 陰 / 阴) bezeichnete ursprünglich die im Schatten (侌) liegende Seite eines Hügels (阜/Radikal阝). 
Yáng (chin. 陽 / 阳) die der Sonne (日) zugewandte, helle (昜) Seite, was sich in den traditionellen Schriftzeichen zeigt. 

Yīn und Yáng vereinigen sich am Gipfel (chin. 極 / 极) – eben am Tàijí. Damit drückt das Tàijí aus, dass alle Dinge in der Welt letztendlich in Harmonie stehen und, dass auch scheinbare Gegensätze (z.B. Licht und Schatten) aus demselben Urgrund hervorgehen. Nach daoistischer Lehre ist das Tàijí aus dem Wújí (chin. 無極 / 无极), dem Nicht-Sein – der Leere – entstanden. Aus dem Tàijí geht die gesamte Welt der Erscheinungen hervor (Wàn Wù (chin. 萬物 / 万物). Tàijí ist damit die Kraft, die die beiden Pole hervorbringt.

Im Kapitel 42 des Dào-Dé-Jīng(道德經) von Lǎo Zǐ (老子) heißt es hierzu: 
„Dào erzeugt Eins, Eins erzeugt Zwei, Zwei erzeugt Drei, Drei erzeugt alle Dinge.“  –
【道生一。一生二。二生三。三生萬物】

Konfuzianismus

In den Philosophien des  Konfuzianismus wird das Konzept des Tàijí vor allem durch den neo-konfuzianischen Philosophen Zhū Xī (朱熹) (1130-1200) eingebunden. Kern seiner Lehre ist, dass alle Dinge Lǐ (理) („Grundprinzip“, „Vernunft“) besitzen. Das Lǐ ist unveränderlich, immateriell und den Dingen inhärent. Betrachtet man das Universum als Ganzes, so ist das Lǐ – eben das Tàijí – das ordnende Urprinzip des Universums. 

Zhū Xī schreibt: „Das Tàijí ist einfach das höchste von allem, jenseits dessen nichts sein kann.“

Häufig wird mit dem Begriff auch nur die symbolische Darstellung des Tàijí bezeichnet, die eigentlich Tàijítú (chin. 太極圖 / 太极图) heißt. Diese allgemein bekannte graphische Darstellung des Tàijí – dann oft auch als Monade bezeichnet – geht vermutlich auf Lái Zhī-Dé (chin. 來知德 / 来知德; auch Lái Qū-Táng, chin. 來瞿唐 / 来瞿唐) (1525-1604) zurück.

Die Grundidee, alle Dinge so zu denken, als bestünde im Hintergrund eine höhere Harmonie, hat die gesamte ostasiatische Kultur auf das Tiefste beeinflusst. Das Einswerden mit der Harmonie des Tàijí beherrscht nicht nur die Spiritualität, sondern wirkt sich auf Wohnen und Städteplanung (Fēng Shuǐ (chin. 風水 / 风水)) aus. Auch der Gartenbau, die Gesellschaftsordnung, die Medizin und viele andere Bereiche sind bis in die heutige Zeit davon geprägt. 

Quelle: 
Seite „Taiji“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. März 2009, 14:28 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Taiji&oldid=57437452 (Abgerufen: 25. Mai 2009, 20:29 UTC)

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